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Cineastik für Fortgeschrittene #1 - Film & TV-Blog

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Cineastik für Fortgeschrittene #1
Der Non-Mainstream Ratgeber

(Image) Weltweit werden jährlich ca. 6000 Produktionen zur Kinoauswertung gebracht. Bei dieser enormen Menge an Filmen bräuchte man, wenn man jeden Tag 3 Filme schaut, immer noch 5 1/2 Jahre, bis man jeden einzelnen gesehen hätte. Wobei Fernsehproduktionen nicht einmal mit eingerechnet sind.

Die Masse der Mainstream-Produktionen erdrückt die Indiefilme zusehends und man muss schon eine Weile suchen, bis man etwas findet, was fast niemand kennt und dazu noch eine echte Perle ist. Ich werde versuchen, euch in dieser Mini-Serie (maximal fünf Episoden) genau diese Art von 'Perlen' unter die Nase zu reiben. Manch einem seinen Geschmack mag ich damit nicht treffen, dennoch bin ich der Ansicht, dass diese, teilweise schon etwas älteren Werke, es verdient haben, genauer unter die Lupe genommen zu werden.

Den Anfang macht 2:37, ein australisches Drama, in der eine High School Schauplatz eines traurigen Selbstmordes wird. (Image)Es ist genau 14:37 Uhr, als man eine Schülerin mit aufgeschlitzten Pulsadern auf der Toilette der Schule entdeckt. Der Schultag beginnt für alle Beteiligten wie jeder andere. Während Sally einen Schwangerschaftstest macht, eckt ihr Bruder wie jeden Tag bei allerlei Lehrern an. Hier wird gelacht, dort wird schikaniert, eigentlich ein ganz normaler Morgen an einer High School. Doch führen die alltäglichen Erlebnisse der Schüler an diesem Morgen unausweichlich zum Selbstmord einer ihrer Freunde. Wie ein Puzzle fügen sich die einzelnen Erlebnisse zusammen und klar wird: Nichts ist so, wie es scheint. Denn jeder Einzelne von ihnen verbirgt hinter der coolen Fassade ein quälendes Geheimnis.
2:37 zeigt die Chronologie eines typischen High School Tages. Mit der Handlung wird ziemlich gegeizt und auch die Kritiker haben größtenteils vernichtende Urteile über dieses Erstlingswerk von Murali K. Thalluri abgegeben. Also warum empfehle ich ihn euch? Die Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Als Zuschauer hat man eine Phase zu überstehen, in der scheinbar reiner High-School Alltag herrscht und darüber hinaus nichts wirklich besonderes passiert, manch einer wird sagen, 2:37 schwächelt über lange Strecken auf der Brust, aber ich mag behaupten, es ist die trügerische Ruhe vor dem Sturm, er nimmt sich Zeit für das große Finale. Er mag uns Zuschauern eine heile Welt vorgaukeln, nur hier und da bleibt eine Spalte in die seelischen Abgründe der Schüler offen. Der Regisseur konfrontiert uns mit denselben Problemen, denen auch die Protagonisten im Film gegenüberstehen. Sie wissen ebenfalls nicht, was in den Köpfen der anderen vorgeht. Kann man die Probleme anderer erahnen und eingreifen, bevor es zu spät ist? Nochmal zu meiner Frage: Wieso empfehle ich euch diesen Film? Die Antwort ist: Weil er zum Nachdenken anregt, weil, wenn er euch gefangen nimmt, ihr am Ende ratlos vorm Fernseher sitzen werdet und nicht hin wisst mit euren Gefühlen. Lasst euch überraschen.


Nun was für die kleinen Charles Bukowskis da draußen. Wer Bukowski's ekelhaft gute Schreibe kennt, wird wissen, was so los gewesen ist mit diesem heldenhaften Beispiel für Alkoholexzesse und Orgien. Er schrieb gewaltsame, widerwärtige Texte, meist Kurzgeschichten, die an Kontroverse kaum zu überbieten waren. Beispiele, die das eindeutig und ohne Frage belegen, sind Fuck Machine, Kaputt in Hollywood oder Faktotum. Es wurden nur wenige Geschichten von ihm verfilmt, da sie schlichtweg zu brutal und pervers waren. (Image)So dauerte es auch bis ins Jahr 2005, dass ein Prunkstück aus der Bukowski-Sammlung über die Leinwände torkelte. In Factotum geht es um einen erfolglosen Kurzgeschichten-Autor, der keine Lust darauf hat, sein Leben in den Griff zu bekommen. Stattdessen lungert er lieber den ganzen Tag in Bars rum und säuft sich behindert in der Birne. Auch seine Lebensabschnittsgefährtin trinkt sich regelmäßig in komatöse Zustände und so kämpfen sie sich gemeinsam durch eine surreale Welt aus Lügen, Alkohol und Rückschlägen.
Auch hier gehen die Meinungen meilenweit auseinander.
In Factotum wird oft nicht viel gesprochen, öfter liegt man total breitgesoffen in irgendwelchen Ecken rum. Matt Dillon verkörpert das Alter Ego von Charles Bukowski so glaubwürdig, dass man, wenn man gerne Alkohol trinkt, augenblicklich Lust bekommt sich einen hinter die Binde zu kippen. Es ist wohl nicht die begehrteste Rolle die Dillon je ergattert hat, aber die Brillanz mit der er diesen dauerhaft betrunkenen Autor spielt, ist grandios anzuschauen. Auch seine Mitspielerin Lili Taylor spielt ihre Rolle als zugesoffene Schlampe mehr als authentisch! Die Atmosphäre von Factotum spielt immer scharf an der Grenze und die detailgetreue Inszenierung z.B. eines unvorstellbar (und ich meine unvorstellbar) harten Katers, geht an die Substanz.


Man from Earth dürfte einigen von euch ein Begriff sein. Wenn mich Leute nach einem guten Film fragen, den sie auf keinen Fall gesehen haben, empfehle ich meistens den. Es kommt selten vor, dass Leute ihn kennen, und falls doch fallen die Meinungen so unterschiedlich aus wie sonst nur bei Donnie Darko oder ähnlichem. "Ach, 'Kingsize', was war das bitte für ein Quatsch den du mir da empfohlen hast?" Oder "Mann, mann, mann, da ist ja mal überhaupt keine Action drinne gewesen" bis hin zu "Was für Crap Junge, habsch vorher ausgemacht.... " Da fehlen mir dann immer die Worte. Die Bewertungen hier auf traoqua154.com sprechen Bände und auch die IMDB Bewertung ist keinesfalls von schlechten Eltern. Aber es ist so ein Film der überall aneckt. Zu Unrecht wie ich finde. In Man from Earth geht es um Professor Oldman, der den Wohnsitz wechselt. (Image)Die Belegschaft der hiesigen Universität stattet ihrem geschätzten Kollegen zum letzen Mal einen Besuch ab, um beim Packen zu helfen und um sich einen guten Wein zu gönnen. Prof. Oldman besitzt ein redliches Sammelsurium antiker Artefakte, welche in der Gruppe eine hitzige Debatte auslösen. Nach mehreren neutralen Wortgefechten eröffnet Prof Oldman, dass er schon seit 14000 Jahren unsterblich auf der Erde lebt. Er wechsele jedes Jahrzehnt den Wohnsitz, damit die Leute nicht merken wie er altere, behauptet er. Seine Kollegen versuchen anhand seiner Aussagen krampfhaft seine Behauptung zu wiederlegen. Mit Erfolg?
The Man from Earth ist ein Paradebeispiel dafür, dass Filme auch gut sein können, wenn in ihnen nichts weiter passiert außer gesprochen zu werden.
Die Tatsache, dass dieses Meisterwerk nur in einem einzigen Raum spielt, ist anhand der Spannung die der Film erzeugen kann, absolut außergewöhnlich. Wenn man sich darauf einlassen kann und ihn im richtigen Modus schaut, stehen die Chancen sehr gut, dass er zu einem einmaligen cineastischen Erlebnis wird. Der Mann, der das Drehbuch dazu geschrieben hat, ist Jerome Bixby († 28. April 1998 - Erscheinungsjahr von Man from Earth). Zu Lebzeiten, um genauer zu sein von 1967-69, schrieb er die Drehbücher zu Raumschiff Enterprise. Darüber hinaus ist er in meinen Augen für einen der coolsten Filmfacts der Filmgeschichte verantwortlich, denn an dem Drehbuch zu Man from Earth schrieb er unglaubliche 40 Jahre, mehr als ein halbes Leben. Bis zu seinem Tod war er als ausführender Regisseur an der Fertigstellung von Man from Earth beteiligt.

Nach dem Erfolg von Donnie Darko im Jahre 2001 konnte der über Nacht berühmt gewordene Regisseur Richard Kelly leider nicht mehr so abliefern wie es viele Leute von ihm erwarteten. Obwohl sein Regiedebut die Meinungen der Kritiker spaltete, wurde D. Darko schnell zu einem Selbstläufer unter Jugendlichen. Ich kann mich noch gut erinnern, als ein Freund zu mir kam und völlig aufgedreht davon berichtete. Danach bekam Kelly allerdings keinen weiteren Fuß mehr in die Tür. Als das Sequel S. Darko - Eine Donnie Darko Saga dann enorm floppte, entschied er sich einen anderen Weg zu gehen und gründete Darko Entertainment. Er stellte größtenteils junge, vielversprechende Drehbuchautoren ein und sagte: Hier habt ihr Geld und nur schreibt! Dieses Kollektiv von zusammengewürfelten Autoren war in den letzten Jahren für mehrere gute Projekte verantwortlich: The Box, God Bless America, Hell Baby und zuletzt World's Greatest Dad , welchen ich euch heute vorstellen werde:(Image) Lance Clayton (Robin Williams) ist ein gescheiterter Schriftsteller, der seine Brötchen mit einem lausigen Lehrerjob verdient. Zudem ist sein Sohn keine große Leuchte, was er auch kurze Zeit später zum letzten Mal unter Beweis stellt. Er stirbt bei einer seiner peinlichen sexuellen Eskapaden. Die Umstände sind Clayton viel zu bizarr und so beschließt er eine Geschichte zum Tod seines Sohnes zu kreieren. Er verfasst einen Abschiedsbrief und lässt alles nach Selbstmord aussehen. Der Abschiedsbrief erhält schnell eine riesige Aufmerksamkeit und das neu erworbene Pseudo-Publikum bietet seiner Schreibe erneut eine Plattform. Er beschließt ein ganzes Tagebuch zu fälschen...
World's Greatest Dad ist eine Komödie, zumindest führen wir, IMDB und alle anderen filmbasierten Webseiten ihn so. Aber der Plot liest sich schon irgendwie anders, vielleicht etwas zu dramatisch für eine Komödie. Wenn man den Film dann startet, geht das Gefühl auch erstmal nicht weg, es wird sogar noch etwas schlimmer, derart wird den Hauptprotagonisten vom Leben zugesetzt. Als man sich dann gerade selbst beim ersten Schmunzler erwischt, gerät die Story kurzzeitig völlig außer Kontrolle und man fragt sich ernsthaft was hier jetzt nur ansatzweise komödiantisch sein soll. Erst danach entwickelt das Screenplay sich langsam aber konstant zu einer guten Komödie, an deren Schluss ein geniales Ende wartet. World's Greatest Dad ist ein sehr facettenreicher Film, indem Robbins ähnlich wie in One Hour Photo einen sensiblen, alternden Charakter entwickelt. Der Regisseur Bobcat Goldthwait, den ihr sicherlich aus Police Academy - Dümmer als die Polizei erlaubt, kennen werdet, liefert hier eine zeitweise, sehr geschmacklose, nicht immer witzige aber dennoch vielschichtige Komödie ab die man in meinen Augen gesehen haben sollte.


Kennt ihr die vier Filme schon? Wenn ja; Was haltet ihr davon? Wenn nein; Werdet ihr euch auf Grund meiner Vorstellung etwas anschauen? Feedback in die Kommentare!


kingsize187
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kingsize187
14. Jan 2014, 15:53 Uhr
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